Dienstag, 19. Juni 2012

Alternativen zu jpeg für Bildungshungrige: SID-Dateien, DjVu-Format, LunaBrowser und zoomify?

Der folgende Aufsatz richtet sich zwar auch an Fortgeschrittene, ist aber so geschrieben, dass auch ein Computerlaie die Zusammenhänge versteht. Nerds mögen dies bitte verzeihen.

Er richtet sich insbesondere an alle Wissenshungrigen, die an alten Büchern, Karten, Gemälden und Grafiken interessiert sind. Er richtet sich ferner an alle Blogger, Autoren und Dozenten, die entsprechendes Wissen anderen präsentieren wollen.




Die Dateiformate SID oder  DjVu (von Deja-Vu, also gesprochen Deeschavüü) sind Formate zum Betrachten von Bildern, in die man hineinzoomen will. Es ist eine Alternative zu jpeg oder png.



  • Wer auf google-maps  (maps.google.com) oder mit dem Programm google-earth gearbeitet hat, kennt dieses System.
  • Auch beim Betrachten von PDF-Dateien kann man den Ansichtsmodus so schalten, dass man in die Seite (gleichgültig ob sie Text oder Bilder enthält) hineinzoomen kann. Mit der Maus bzw. dem Handsymbol kann man den Bildausschnitt verschieben.
  • Wer sich für antike Weltkarten interessiert, kennt ähnliches von davidrumsey.org, wo man die Karten bis ins kleinste Detail erkunden kann. Dort ist von einem LUNA-Browser die Rede, was aber nur ein integriertes Modul auf der Webseite ist - Sie selbst browsen mit dem ganz normalen Browser.

    Dort kann man die  Bilder auch herunterladen, als sogenannte SID-Dateien, und mit einem Desktop-Programm zu Hause betrachten. Das Programm funktioniert dann ähnlich wie beim Browsen im Internet (oder beim Betrachten von PDF-Dateien): man kann in das Bild hineinzoomen und den Ausschnitt verschieben
  • Ähnlich funktioniert das DjVu-Dateiformat. Auch hier kann man mit entsprechender Software das Bild in allen Details erforschen. Dieses Format hat sich vor allem beim Einscannen alter Bücher eingebürgert - obwohl auch hier das SID-Format ideal wäre.

In allen Fällen ist wichtig: Das Erforschen großer Bilder geht hier blitzschnell. Es ginge natürlich auch, eine riesige jpg-Datei zu verwenden, und mit normalem Scrollen das Bild zu erkunden. Das erstmalige Laden der Datei würde aber enorm viel Zeit kosten, wenn es wirklich so detailliert sein soll.

Die hier gezeigten Formate benutzen einen Trick, der auch bei google-maps und google-earth verwendet wird: das Bild wird in kleinere Einzelbilder zerlegt. Beim Laden der Totalansicht lädt das Programm nur eine kleine Variante, beim Zoomen werden die Ausschnitte geladen. Auf google-maps kann es dann dauern, wenn man zur Seite scrollt, weil die Ausschnitte erst über das Internet geladen werden müssen. Aber beim Betrachten einer SID-Datei oder DjVu-Datei auf dem Desktop geht das blitzschnell, denn diese Bildelemente sind schon alle da.









Wer das geniale Gemälde von Holbein "Die Gesandten - the Ambassadors" also in diese bequemen Art erforschen will -  wie es online das google-art-Projekt erlaubt, hat ein Problem. Er kann sich natürlich  auf Wikipedia/Wikicommons das Bild als große jpg-Datei laden (größte Version ca 90 MB) und mit normalen Bordmitteln ansehen. Das hätte aber die geschilderten Nachteile. Außerdem ist die Festplatte unnötig belastet, denn die neueren Techniken lassen die Dateigröße nochmals auf einen Bruchteil reduzieren.

Besser wäre es, das Bild als SID oder DjVu-Datei zu laden und eine entsprechende Betrachtersoftware zu installieren. Denn erst dann kann man so bequem innerhalb des Bilder navigieren.


Die Möglichkeiten und Formate

Übersicht:

Zoomify (für Browser-Betrachtung)
LUNA-Browser (für Browser-Betrachtung)
SID-Datei (auch MR-SID genannt)
DjVu-Datei


Zu Zoomify

Die Onlinepräsentationen werden in der Regel mit Flash oder Javascript erledigt. Zwei mögliche Techniken hierzu sind: LUNA-Browser und ZOOMIFY. Das Zoomify ist dabei das für Blogger und Dozenten interessanteste und gängigste System. Mittels Tool wird eine riesige jpg-Datei in immer kleinere Einheiten zerlegt und dann auf der Webseite ein Javascript namens zoomify eingebunden, das dafür sorgt, dass der jeweils passende Bildausschnitt geladen wird. Spezielle Bildformate sind also gar nicht nötig.

Was bedeutet SID-Format


SID-Dateien kann man sich herunterladen und mit dem kostenlosen Viewer MR-SID (Mister SID). Diese Freeware muss man sich natürlich erst installieren. Allerdings kann man auch ein Plugin für Irfanview laden, wenn man sowieso Irfanview als Standard-Bildbetrachter benutzt.

Für Laien: Der im Windows-System eingebaute Bildbetrachter ist auch nur ein Programm und kann durch beliebige andere Software ersetzt werden, z.B. ACDSee, XnView, Irfanview und tausend mehr. Irfanview ist dabei das mit viel Abstand beste und genialste Programm und sollte auf keinem PC fehlen.
Für Mac-User habe ich einen interessanten Tipp: ExpressView. Das Prgramm ist zu wenig bekannt, geben Sie diesen Tipp weiter, wenn Sie Blogger sind. Denn die Foren sind voll mit der Frage: Gibt es noch die und die Mac-Version von MR-SID, von der in älteren Forenbeiträgen die Rede war, und wo finde ich die?  Sie suchen sich dann garantiert einen Wolf und drehen sich im Kreis - Sie finden das Programm nicht.

Nachfolge von Mr-SID ist Expressview, und das gibt es für Windows und für Mac. Ältere Windowsversionen von Mr-SID-viewer finden Sie im Internet, Mac-User müssen nach ExpressView suchen. Dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Was bedeutet DjVu-Format

Das DJVU Format wurde vorwiegend entwickelt, um gescannte Dokumente darzustellen, womit es  als Alternative zu PDF auftritt.

Am besten und einfachsten sieht man sich die Datei mit Irfanview an.

Einen speziell  für das Öffnen einer DJVU Datei gemachten Betrachter finden Sie in WinDjView.

Es gibt einen Wikipedia-Eintrag zu DjVu (de.wikipedia.org/wiki/DjVu), der allerdings wenig Informationen bringt. Interessanter ist die deutsche Seite m.gasperl.at, der auch Software zur Verfügung stellt, und sich intensiv mit dem Dateiformat auseinandersetzt: http://m.gasperl.at/computer/djvu/index.html

Um brauchbare Informationen zu finden, habe ich recherchiert, und die entsprechenden Fundstellen im User-Archiv (Literaturdatenbank) eingestellt (siehe dort zum Suchbegriff DjVu).

Für Mac-User gibt es mittlerweile das Programm MacDjVu. Es hat aber nur die notwendigsten Funktionen, im Vergleich zur Windowsversion, und ist insgesamt eine Enttäuschung. Was als Vorteil gegenüber jpg-Dateien bleibt, ist die Tatsache extremer Datenreduktion.

Wie kann man DjVu-Dateien erstellen?


Hier wurde ich fündig auf den Seiten von Gasperl: DjVu-Solo 3.1 ist ein eigenständiges Programm für das Betrachten und Erstellen von DjVu-Dateien (einfach aus Bildern/Scans). Eine farbige A4-Seite bei 300dpi entspricht etwa 30-40Kb (!). DjVu Solo 3.1 (2,18Mb, Setup). Es gibt auch eine sofort lauffähige Version und eine Miniversion.

Ferner gibt es die Möglichkeit einer Online-Konvertierung ins DjVu-Format (von PDF/PS und Bildformaten)

Ein Programm zur Stapelverarbeitung hat der Webseitenbetreiber offenbar ebenfalls erstellt. Ich zitiere einen Ausschnitt aus seiner Webseite:

"NEU! Ich habe aus dem Paket DjVuLibre und Batchencode ein Programm zusammengestellt, mit dem man beliebig viele jpg-Fotos auf einmal ins DjVu-Format konvertieren kann. Dabei brauchts keine Einstellungen, einfach per drag&drop und Mausklick. Die DjVus haben dann nur mehr 5-20% der Originaldatei (!).jpg2djvu.zip (ca. 500K)" http://m.gasperl.at/computer/djvu/index.html

DjVu unter Linux

In Linux ist es ebenfalls möglich, mit DjVu zu arbeiten: Mittels DjVuLibre gibt es für X11 einen Viewer bzw. Plugins für Netscape 4 and 6, Mozilla, Galeon, Konqueror und Opera. Ebenso kann man in Linux DjVus erzeugen.

Fortsetzung folgt ...

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