Donnerstag, 6. Februar 2014

Akte Pixelio Teil 1: Der nackte Wahnsinn


Diese Gerichtsentscheidung ist der der nackte Wahnsinn für Webseitenbetreiber. Denn betroffen wäre nach unseren Recherchen über 1 Million Webseiten. Sie alle hätten Urheberrechtsverstöße begangen. inklusive dem Webmaster des Landgerichts selbst. Denn selbst dort wurden pixelio-Bilder auf diese "falsche" Weise verwendet.








S

Worum geht es?

Wer pixelio-Bilder verwendet, muss auf der jeweiligen Webseite (beim Bild oder am Seitenende) die Quelle angeben: (c) Fotografenname / PIXELIO.

Das wird millionenfach gemacht.

Aber ein Fotograf klagte, weil man beim Direktaufruf der Grafik diesen Vermerk nicht sieht. Das LG Köln gab ihm recht und forderte praktisch, dass der Quellenvermerk in das Bild selbst eingearbeitet wird, damit es beim Direktaufruf nicht verloren geht. (Urt. v. 30.01.2014 – Az.: 14 O 427/13).



Na super. Da hat sich das LG Köln wahrlich blamiert. Und abertausende Seiten im Internet - auch von Ministerien und Kommunen - hätten dokumentierte Urheberrechtsverstöße begangen. Die Internetgemeinde jault auf, und auch Pixelio selbst ist entsetzt.

Leute, das geht so nicht. Diese Entscheidung ist falsch.

  • Hunderttausende von Webseiten verwenden pixelio-Bilder auf klassische Weise: Quellenangabe unter dem Bild oder am Seitenende. Auch Ministerien, Kommunen, Städte, Länder.
  • Eine Grafik in einer Seite ist technisch bedingt immer direkt aufrufbar Das gehört zum System der HTML-Seitensprache. Einen Hinweis beim Direktaufruf kann es nicht geben. 
  • Dazu müsste ich mit Javascript tricksen, oder auf jedem Bild den Urhebervermerk durch Bildmanipulation einbinden. 
  • Das wäre technisch extrem aufwändig. Aber vor allem: Die Bildmanipulation ist eigentlich bei den meisten creativ-common-Bildern untersagt. Ich begehe einen urheberrechtsverstoß, wenn ich die Bilder manipuliere.
  • Wer als Fotograf seine Bilder bei pixelio einreicht, kann deshalb nicht ernsthaft erwarten, dass beim Direktaufruf der jpg-Datei ein Quellenvermerk erscheint. So was galt bisher nur als Schnapsidee.
  • Der klagende Fotograf musste sich darüber auch im Klaren sein, denn laut pixelio-Bedingungen reicht eine Angabe am Seitenende auch (also nicht notwendig unter dem Bild). Damit muss ihm klar sein, dass beim Direktaufruf der Bilddatei der Kontext verloren geht. Das hat das Gericht übersehen.
  • Wenn ich das pixelio-Bild in einer Druckschrift verwende, müsste ich gemäß dem LG Köln den Quellenvermerk auch in das Bild rein-mantschen. Denn wenn jemand das Bild ausschneidet und kopiert, fehlt ja auch der Urheberhinweis.
 
Witzig und pikant: Auf der Webseite des LG Köln wurde selbst dieser "Fehler" gemacht. Am 30.1.2014 war die Entscheidung, gestern vormittag waren  noch pixelio-Bilder auf die übliche Weise eingebunden.  Zwei Stunden später wurde das Bild ausgetauscht - durch dasselbe pixelio-Bild, bei dem der Quellenvermerk ins Bild übernommen wurde.


Quelltext der LG-Köln-Webseite am 6.2.2014 vormittags; das Bild wurde klassisch eingebunden, unterhalb der Grafik erfolgt der Quellenhinweis durch üblichen HTML-Text. Wie soll es denn auch anders sein? Das hat der Webmaster schon richtig gemacht.


So sah das dann aus. So ist es nach Ansicht der 14. Zivilkammer des LG Köln falsch: Text-angabe der Pixelio-Quelle unterhalb des Bildes. Denn das Bild könnte direkt aufgerufen werden (das LG Köln wollte uns dies offenbar in einem Selbstversuch demonstrieren)

Klar - das ganze Netz hat sich über diesen Widerspruch lustig gemacht. Da musste der Webmaster reagieren. Aber:  hat er denn nicht erst jetzt so richtig einen Urheberrechtsverstoß begangen? Durch Bildmanipulation?


So soll es angeblich richtig sein. Am 6. 2. nachmittags war das Bild plötzlich ausgetauscht worden. Der Quellenhinweis ist jetzt im Bild integriert. Aber: ist das nicht eine unzulässige Bildmanipulation? Und weiter: hat jetzt das user-archiv einen Urheberverstoß begangen, weil es den Screenshot hier veröffentlicht? Kann ein Blogger überhaupt noch etwas tun, ohne mit einem Bein im Gefängnis zu stehen?


Unsere Recherchen ergaben: millionenfach werden pixelio-Bilder auf übliche Weise korrekt eingebunden.



Allein 521000 Suchtreffer, wenn man "Quelle: pixelio.de" eingibt. Es gibt aber weitere Zitiermöglichkeiten. Nach Recherchen des user-archivs werden pixelio-Bilder im Ergebnis  millionenfach verwendet (uups - hoffentlich mahnt uns jetzt google nicht ab)


Helfer des User-Archivs haben mal auf die Schnelle abgeklopft, wie Ministerien mit Pixelio-Bildern umgehen. Dazu reicht die Eingabe von "Ministerium pixelio" bei Google und man findet jede Menge Treffer auf Ministeriums-Seiten.

Beginnen wir gleich mal mit dem Justizministerium des Bundes. Das wird ein pixelio-Bild auf klassische Weise eingebunden. An sich korrekt, nach Ansicht des LK Köln nicht korrekt. Ein dokumentierter Urheberrechtsverstoß.


Fortsetzung folgt

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