Sonntag, 11. Januar 2015

Lieber facebook-Freund - oder: das Problem mit den facebook-Profilen




Nachricht an einen Freund auf facebook, die ich so wirklich versandt hatte - an einen sehr guten Freund übrigens:

Hallo (facebookfreund)!

Magst Du nicht vielleicht doch mal überlegen, ob Du dein Profilfoto durch ein ernsthafteres austauscht? 

Und die Anmerkung, dass du bei Weltengemeinschaften gearbeitet hast und die Baumschule zur Schule gegangen bist? 

Zum einen ist es doch wichtig, dass Du möglichst ernst genommen wirst (gerade Du, der sehr gute gesellschaftlich-kritische Beiträge schreibst) 

Und andererseits: denk doch auch mal an die Freunde, die Deine Beiträge teilen wollen, und bei denen Du in der Freundesliste stehst. Die wollen ja auch nicht den Eindruck erwecken, dass sie mit Spaßvögeln befreundet sind, die facebook als Spielzeug nebenher benutzen, davon gibt es eine Menge, wie Du zugeben musst. 

Wie sollen Dritte das unterscheiden können? Glaubst Du, die haben soviel Zeit, die Artikel auf deiner  facebook-Seite durchzugehen um rauszufinden, ob Du ernstzunehmen bist oder nicht? Ist nämlich schwer, da meistens nur geteilte inhalte mit wenig Eigenkommentar auf den Seiten sind. Nicht bei Dir, aber allgemein. Würdest Du Dir die Zeit nehmen? Sicher nicht, da gibt es zuviel anderes zu lesen und zu tun. Denk doch mal drüber nach.

PS: Mir persönlich ist Dein Profil egal, weil ich meine Freundesliste sowieso schon unterdrückt habe.
Das, liebe Leser, dürft ihr ruhig als Muster oder Vorlage nehmen. Ohne Angst vor urheberrechtlichen Meckereien.  Ein Musterbrief für facebook-Kontakte, also, die man nicht loswerden will, denen man aber einen Tipp geben will.

Welche Gefahren lauern da?


Ich persönlich habe meine Freundesliste vor einiger Zeit unterdrückt. Zuviele Freunde, Verwandete, Bekannte haben sich "angefreundet",  ohne sich Gedanken über ihren verhunzten Auftritt zu machen. ohne sich Gedanken darüber zu machen, was sie ihren "Freunden" zumuten.

Und natürlich Ex-Schüler und Kursteilnehmer, von denen ich im Laufe der 25 Jahre so einige tausende kennen gelernt habe. Die oft  nur deshalb anfragen, weil sie automatisch viele Freunde sammeln, wie sie selbst zugeben - ohne dass eine private Freundschaft entstanden ist.

Und ohne sich über Konsequenzen Gedanken zu machen.

Wo ist aber das Problem?

  • Wo ist das Problem für solche Freunde?
  • Und wo ist das Problem für Euch selbst, die ihr solche Freunde akzeptiert?


Die vielen ängstlichen Leute wollen doch auch in facebook sein, schließlich wollen sie mitlesen können, das Recht müssen die doch haben.  Sich ein wenig verstecken, aus Angst vor Datenkraken, das müsste doch verständlich sein, oder? Da gibt man ein Alter an, wonach man 100 sein müsste, weil sie glauben, dann bekommen sie weniger Werbung ( haben die nämlich irgendwann mal gelesen *); ode rman gibt unmögliche Schulen und Arbeitgeber an, oder verdreht und verzerrt seinen eigenen Namen, und so fort


Schlau oder?

Nö, nicht besonders. Um anonym zu sein, reicht das nicht. Sorry. (Anfänger!)




Aber das ist immer noch nicht das Problem.


Denn WENN diese Angsthasen schon solche pseudo-witzige Profile aufbauen, um sich damit psoeudo-anonym im Netz zu bewegen:

WARUM MÜSST IHR DANN AUCH NOCH  FREUNDE AKQUIRIEREN?

Kapiert Ihr nicht, was Ihr Euren künftigen facebook-FREUNDEN zumutet?
 
Ich, der ich hauptberuflich u.a. als Dozent und Fachbuchautor, ferner als Blogger und manchmal als Initiator von Projekten im pädagogischen oder künstlerischen Projekten,  auftrete, habe nun ein Problem:

Da interessiert sich vielleicht jemand für mich als Referent, oder Autor, oder ich habe ein Skript bei einem Verlag eingesandt, und jemand macht sich bei facebook über mich schlau; oder ich habe jemand kontaktiert, um ein Interview für einen Blogbeitrag zu erreichen, und er guckt erst mal im Internet nach, ob ich ernstzunehmen bin ...

Und dann kommt der auf meine Seite, und guckt meine Freunde an:

Aha, er ist mit vielen Spaßvögeln befreundet, die facebook gar nicht ernst nehmen und ihre Namen verdreht wiedergeben, auf die Baumschule verweisen, in der sie studiert haben. 

Und da hat er viele  Freunde, die facebook auch inhaltlich nur für Blödsinn verwenden. Lustige Katzenvideos gingen da ja noch, aber da ist noch viel mehr Schmarrn, der geteilt wird, ohne durch gute Anmerkungen ein bisschen Eigeninhalte beizusteuern.

Andere seiner Freunde zeigen auf ihrer Seite stolz, welche stumpfen Onlinespiele sie mitmachen und welchen Level sie erreicht haben.
Außerdem ist er offenbar ein Sodomist, wenn man sich die Profilfotos seiner Freunde ansieht - alle möglichen Tiere. Erninnert fast schon an Otto: Wie du mir, so do mie. Na gut, das war jetzt nur so ein Querschläger-Gedanke.

Und was sehe ich da, wenn ich ein bisschen in die Inhalte seiner Freunde oder seiner Gruppen-Genossen reinlese: der eine oder andere, man mag es ja nicht glauben, schimpft auch schon mal leichtfertig über Ausländer, wenn mal wieder ein Attentat passiert. Auch wenn es sei kann, dass er in diesem Moment nur die kriminellen Täter meinte, trotzdem, auf solche Freunde oder Freundesfreunde könnte ich verzichten. Das facebook ist kein Stammtisch, wo nur ein paar Leute zuhören -  da lesen zigtausende Leser mit, das wissen die halbwegs gebilden Menschen?
Ich hatte erwartet, der Burkes ist ein aufgeschlossener Multikultityp mit vielen auch ausländische Freunden und Kontakten. Vielleicht ist er das gar nicht. Vielleicht sammelt er nur möglichst viel facebook-Freunde ohne nachzusehen, was für einen Mist die schreiben, und insofern können wir den Burkes vielleicht selbst nicht ernstnehmen? Weil er vielleicht gar nicht echt engagiert ist? Weil er zwar die Meinungen seiner facebook-Freunde nicht teilt, aber immer hin sich sorglos mit allen möglichen Leuten anfreundet?
Na, lassen wir das mal lieber. Schreiben wir ihm, dass wir gerade keine Zeit haben. Oder schreiben wir ihm gar nichts, er hat ja nicht nach Kontakt gesucht, wir wollten ihn als Dozenten akquirieren, der weiß ja gar nicht, dass man ihn empfohlen hatte und wir uns für ihn interessiert hatten.

Das alles  ist nicht übertrieben. Ich habe mir lange Zeit darüber Gedanken gemacht, das Ganze beobachtet, mit Bekannten und Kollegen gesprochen.

Ganz so analytisch geht der Leser natürlich nicht vor. Der Gedankengang des Lesers ist oberflächlicher, aber unterbewusst kommt es zu diesen Schlussfolgerungen.

Nur ICH selbst  weiß, wie nett in Wirklichkeit viele der Freunde sind, die sich aber auf facebook schlichtweg unmöglich präsentieren. Aber andere können das nun mal nicht wissen. Und darum habe ich meine Freundesliste unterdrückt.

Problem gelöst?


Nein. Was ich nicht unterdrücken kann, ist dass ich in der Freundesliste des anderen auftauche.

Und da kommt das nächste Problem: es gibt längst Algorithmen bzw. Tools, mit denen facebook-Seiten analysiert und augewertet werden.

Dazu gehört auch die Auswertung anderer als meiner facebook-Seite, und dann kann man Vernetzungen aufstellen. Glaubt Ihr das nicht? Es gibt sogar ein ganz bekanntes online-Tool namens Wolphram Alpha,  das ihr ruhig testen solltet


facebook-Analyse Wolphram Alpha

Also:  selbst wenn ich meine facebook-Kontakte unterdrücke, auf anderen Seite  tauche ich auf. Und Profiljäger arbeiten übergreifend, analysieren aller möglichen Seiten, stellen dann Vernetzungen her.

Dasjenige Mitglied in der facebook-Gruppe "Musterstadt damals" (Name geändert), das gelegentlich sorglos und primitivst über Ausländerpack schimpft, obgleich es (also er)  bei einer Firma arbeitet, die international soziale Projekte durchführt, so ein Mitglied wird von solchen Analyse-Tools erfasst, die Zugehörigkeit zur facebook-Gruppe auch, damit die Verneztung mit anderen facebook-Mitgliedern, die sich ebenfalls für die Geschichte ihrer Heimatstadt interessieren, der indirekte Kontakt mit mir auch, obwohl ich nicht mit ihm befreundet bin, und so fort.

Es gibt neben den Online-Tools auch tausende kostenloser Software, und diese Spiderprogramme kann ich den ganzen Tag auf einem gewöhnlichen PC mit gewöhnlicher Internet-Flat laufen lassen - ich brauche dann nur noch ein paar große Festplatten, und kann Millionen von Personen erfassen.
 
Ist so. Spiderprogramme, ähnlich wie die von google eingesetzten  (htdig.org wäre ein Klassiker, es gibt hunderte andere), gab es schon vor 15 Jahren, kostenlos als perl oder php-Programme, und wir hatten damals  schon überlegt, ob wir solche Software in maßgeschneidertem Einsatz für das User-Archiv laufen lassen sollen, um hilfreiche Tutorials und Online-Literatur zu finden.

Was harmlos gewesen wäre.

Und die modernen social-media-Spider-Programme laufen zulassen, um Profile zu sammeln und zu analysieren, und die Ergebnisse zu verkaufen, wäre genauso leicht möglich. Es wäre irgendwie unseriös, aber glaubt ihr wirklich, das macht niemand? Na, dann schlaft schön weiter.




Eine Suchabfrage bei google alleine nach Online-Tools für facebook-Auswertung ergibt:

6,1 Millionen Suchtreffer:
  • LikeAlyzer: Analysieren Sie Ihre Facebook Seite
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Auch ohne facebook-Freunde: wir sind verratzt


Gut, zugegeben,  wir sind so oder so verratzt, wenn wir uns in facebook betätigen. Aber wenn wir Autoren sind, oder Künstler, Musiker, Unternehmer, müssen wir schon fast mitmachen. Und die Analyse-Tools, die dritte einsetzen, ergeben völlig verzerrte Ergebnisse,  wie ich nachfolgend beweisen werde.

Beispiel: Five Lab, ein relativ neues Tool. Hier ein unbedingt lesenswerter Artikel von Alexis Klein auf huffingtonpost.




http://www.huffingtonpost.de/2014/06/12/facebook-persoenlichkeit-analyse_n_5491750.html


Ein Startup namens Five Labs hatte ein  Online Tool entwickelt, das die Persönlichkeit des facebook-Nutzers anhand seiner Facebook-Posts analysiert. Die Webseite, die Teil einer Studie der Universität von Pennsylvania ist, untersucht die Sprache, die Sie verwenden, um die verschiedenen Aspekte Ihrer Persönlichkeit zu bestimmen.

Genauer gesagt untersucht die Seite die Hauptdimensionen der Persönlichkeit, basierend auf dem Fünf-Faktoren-Modell: Eine nach außen gewandte Haltung innerhalb sozialer Gesellschaften (Extraversion), Offenheit, emotionale Instabilität (Neurotizismus), Gewissenhaftigkeit und ein freundliches Wesen.

Hm. Mal mit einem Freund getestet. Ergebnis: das Tools selbst gibt wenig sinnvolle Ergebnisse. Aber andere wissen das nicht - und sehen uns durch diese verzerrte Brille.


21 % Gewissenhaftigkeit ergab diese Analyse von five-lab. Eine Analyse der Posts, also der Beiträge eines eingelogtten facebook-users. Ich sage nicht von welcher Person. Aber es ist eine der vertrauenswürdigsten Personen, die ich kenne (nein, ich bin es nicht, aber da sieht es auch nicht so dolle aus).



Das zeigt: so machen sich andere verzerrte Bilder von uns.

Sofern sie an die Daten herankommen, denn DIESE Online-Version hier erforderte einen Inhaberzugang. Aber wenn ich facebook-Mitglied bin kann ich an die öffentlichen Beiträge anderer facebook-Mitglieder und kann sie, wenn nicht durch dieses Online-Tool, dann durch ein eigen-installiertes Tool, auswerten

Ihr seht -  wir sind so oder so angeschmiert, wenn wir im Internet publizieren. Was schlimm genug ist. Ich möchte das aber nicht verschlimmern, in dem ich meine Freundesliste zeige, um wieder auf das Eingangs-Thema zurückzukommen.

Denn wenn alles so weiterläuft, wie bisher, ist facebook nicht mehr brauchbar


wenn alles so weiterläuft, wie bisher, ist facebook nicht mehr brauchbar

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