Donnerstag, 20. April 2017

DMOZ - das Open Directory Projekt ist Geschichte

Das Open Directory Project (ODP oder auch "dmoz.org" genannt)  wurde vor ein paar Wochen eingestellt - am 17. März 2017, um genau zu sein. 

Es existierte von 1998 bis 2017. Rund 4 Millionen Einträge und angeblich 90.000 ehrenamtliche Editoren hatte es zuletzt. Andere Artikel sprechen aber nur von mehreren 100 Redakteuren, die aktuell am Projekt arbeiteten.

(Screenshot von dmoz.org vom 20.04.2017)


Um ehrlich zu sein, ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so lange durchsteht. Aber das dachte ich auch bei Wikipedia nicht. Hätte dmoz weiter existieren können?

Nun, der letzte "Betreiber", die AOL, hat in einer kurzfristigen Entscheidung im Februar 17 beschlossen, das Projekt zu beenden - ohne dass bis heute die Gründe dafür bekannt sind (das erinnert mich an die traurige Entwicklung zu Winamp von shoutcast, das zuletzt von AOL betrieben und 2013 fallengelassen wurde).


Für lange Zeit galt dmoz als ein wichtiges Rankingkriterium bei Google, da nicht jede Seite auf dmoz zugelassen wurde. Strenge Kriterien mussten erfüllt werden, um eine Eintragung zu erzielen. Hinzu kam der Umstand, dass viele Spezialisten und Experten als Editoren an dem Projekt arbeiteten, was dmoz schnell zu einer der bestgepflegten Webseiten machte. Hatte es eine Seite also geschafft, in dmoz zu erscheinen, war das ein Zeichen für Qualität

Der letzte Datenbank-Inhalt (Stand Frühjahr 2017?)  ist gespiegelt und im Internet abrufbar.

Auf der Original-Homepage dmoz.org findet man folgenden Eintrag


As of Mar 17, 2017, dmoz.org is no longer available.
The editors have set up a static mirror here.

If you are interested in staying in touch with the DMOZ community,
please visit www.resource-zone.com.

Thank you all, especially the editors, for your interest and dedication to this project.

Auf der deutschsprachigen Seite dmoz.de, die von Thomas Schild betreiben wird, einer der Editoren seit Anbeginn des Projekts, heißt es:

Adieu dmoz.org - plötzlich und unerwartet

Das Open Directory Project dmoz.org wurde infolge einer im Februar 2017 gefallenen kurzfristigen Unternehmensentscheidung vom Betreiber AOL am 17. März 2017 abgeschaltet. Auch die tausende ehrenamtliche Editoren wurden davon überrascht, mit knapp drei Wochen Vorankündigung. AOL wird die Rechte an der Domain dmoz.org behalten, so daß, auch auch wenn es gelingen sollte das Projekt aus Editorkreisen weiterzuführen, dies unter einer anderen URL geschehen wird.

Der bisherige Inhalt des Open Directory steht in einer statischen Kopie zur Verfügung.

Das interne Editorforum ist auf einen anderen Server umgezogen - die bisherigen Forenaccounts sind mit umgezogen, aber man muss mit der "Passwort vergessen"-Funktion sein Passwort zurücksetzen; das neue Passwort wird dann an die e-Mail-Adresse geschickt bei der man bei dmoz.org als Editor registriert war. Das inoffizielle öffentliche Forum (deutschsprachiges Teilforum) wird nicht von AOL betrieben und besteht deshalb weiterhin.
Und weiter:

Über die Site dmoz.de

Diese Site wird von mir (ODP-Editor tschild) ehrenamtlich und auf eigene Kosten betrieben. Sie ist selbst kein Verzeichnis, sondern ich verlinkte zu den deutschsprachigen Kategorien von dmoz.org, um sie für das deutschsprachige Publikum besser auffindbar zu machen. Nachdem das Verzeichnis dmoz.org abgeschaltet wurde, gehen die Links auf die deutschsprachigen Kategorien und auch der Suchschlitz zur Suchfunktion auf dmoz.org ins leere - es hat also derzeit keinen Sinn, die bisherige Seite bestehen zu lassen. Wenn die Überlegungen aus der dmoz-Editorschaft, das Verzeichnis unter einer anderen Domain selbst weiterzuführen, Früchte tragen sollten, dann kann ich die Seite wieder aufsetzen.

Ein perösnliches Statement: wie viele Editoren, die im Zeitraum 1998-2017 tausende Stunden ihrer Arbeit ohne Bezahlung investiert haben, bin ich schockiert und verärgert. Ich war seit 1999 dabei - hier rechts eine Erinnerung aus alten Zeiten

Über die Site dmoz.de

Diese Site wird von mir (ODP-Editor tschild) ehrenamtlich und auf eigene Kosten betrieben. Sie ist selbst kein Verzeichnis, sondern ich verlinkte zu den deutschsprachigen Kategorien von dmoz.org, um sie für das deutschsprachige Publikum besser auffindbar zu machen. Nachdem das Verzeichnis dmoz.org abgeschaltet wurde, gehen die Links auf die deutschsprachigen Kategorien und auch der Suchschlitz zur Suchfunktion auf dmoz.org ins leere - es hat also derzeit keinen Sinn, die bisherige Seite bestehen zu lassen. Wenn die Überlegungen aus der dmoz-Editorschaft, das Verzeichnis unter einer anderen Domain selbst weiterzuführen, Früchte tragen sollten, dann kann ich die Seite wieder aufsetzen.

Ein perösnliches Statement: wie viele Editoren, die im Zeitraum 1998-2017 tausende Stunden ihrer Arbeit ohne Bezahlung investiert haben, bin ich schockiert und verärgert. Ich war seit 1999 dabei - hier rechts eine Erinnerung aus alten Zeiten

Das Kategoriensystem

Die dmoz-Seite ist nicht nur wegen des reinen Inhalts interessant, sondern auch wegen der ausgefeilten Kategorienbildung, die wir hier beim User-Archiv-Projekt mit Interesse verfolgt haben.

Das ist ein wichtiges Thema für alle, die mit Kategorien arbeiten - nicht nur für Datenbankbetreiber, auch für Blogs und andere Webseiten, die ihre Artikel entsprechend ordnen wollen.

An dem (immer noch vorhandenen) Kategorien-Baum konnte man sich als Webseitenbetreiber orientieren und die eigenen Artikel entsprechend ausweisen. So hätte hier ein gewisser Standard entstehen können.

Das User-Archiv-Projekt hatte sich allerdings von Anfang an anders entschieden: nur eine handvoll von Kategorien, und die Verweigerung gegen jegliche Unterkategorien, das war die Erkenntnis des ersten Jahres 1998. Dafür die Einführung eines "Typs" (normaler Text, Diskussionsforum, Ressource, Downloadarchiv) und die Kombination von Kategorie mit Typ und mit Suchbegriff - nur so war es möglich, die Pflege des Datenbankbestandes für eine Handvoll Helfer in den Griff zu bekommen und so lange durchzuhalten. Allerdings nicht bis zum heutigen Tag - die Datenbank wird mangels Zeit seit ein paar Jahren überhaupt nicht mehr gepflegt. In Gesprächen mit EDV-Dozenten einer Erwachsenenbildungseinrichtung prüfe ich derzeit, ob eine Wiederbelebung sinnvoll ist, oder das Archiv abgeschaltet werden oder als tote Datenbank weiterlaufen soll.


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